BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Düsseldorf
Wahlprogramm 2004 - 2009

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Demokratische Stadt

Kultur ist Lebensmittel

Kunst, Kultur und Kreativität müssen auf vielen Ebenen gefördert werden und zwar als Lebensmittel, nicht als Sahnehäubchen. Zur Zeit ist es so, dass in Düsseldorf viel Geld in die große Kultur, wie Schauspiel, Oper, Museen fließt, die sehr lebendige und kreative freie Kulturszene sich hingegen mit finanziellen Häppchen zufrieden geben muss. Gerade diese freie Kulturszene aber ist es, die nah an der Basis agiert, weil sie beweglicher ist und in anderen Strukturen arbeitet. Ihre Geldnot führt dazu, dass sich immer mehr Kulturschaffende an die private Wirtschaft wenden, um ihre Projekte finanzieren zu können.

Dieses "Geschäft auf Gegenseitigkeit" wird zur Zeit noch als Gewinn für beide Seiten betrachtet. Die Kultur kann aber langfristig Gefahr laufen, zwischen den Mühlsteinen betriebswirtschaftlicher Kosten-Nutzen-Rechnung aufgerieben und letztlich als Marketing-Unterstützung der Unternehmen banalisiert zu werden. Die freie Kulturszene muss ihre Unabhängigkeit bewahren, weil sie durch ihre preiswerten und nieder schwelligen Angebote viele Menschen erreichen kann und Impulse gibt,die dem kulturellen Leben allgemein zugute kommen.

Auch die Stadt setzt zunehmend auf die Form der "public private partnership". Allerdings ist diese Partnerschaft mit potenten Geldgebern aus Industrie und Wirtschaft in jedem Einzelfall genau daraufhin zu überprüfen, welche Vorteile die Stadt hat und inwieweit tatsächlich der Kulturetat effektiv entlastet wird. Auch die Kontrollmöglichkeiten der Politik in diesem Sektor dürfen nicht so beschnitten werden, wie dies bislang der Fall ist.

  • Wir werden uns dafür stark machen, dass nicht nur die "etablierte" Kultur in Düsseldorf subventioniert wird, sondern ein angemessener Anteil des städtischen Kulturetats für die freie Kulturszene ausgegeben wird. Tanzhaus NRW, Freier Tanz, Forum Freies Theater, Bücherbummel, AKKI und viele mehr haben inzwischen ihren Platz gefunden, Literaturbüro, Komm!a, die Programmkinos und kleine Künstlergruppen oder für einen bestimmten Zweck gegründete Künstlerzusammenschlüsse sind aber auch wichtiger Teil der Düsseldorfer Kultur und sollen mit größeren Summen als bisher und - wenn notwendig - ad hoc unterstützt werden können. Wir werden risikofreudig und zunächst erfolgsunabhängig die Kulturszene unterstützen.
  • Besonders Kinder und Jugendliche müssen mehr mit "Kultur" in Berührung kommen. Kultur wächst von unten und Kinder brauchen Kultur. Gemeinsames Malen, Tanzen, Schreiben, Musizieren und Gestalten vermittelt Kindern so wichtige Kompetenzen wie Kreativität, Teamfähigkeit, Toleranz und Leistungsbereitschaft. Es gibt bundesweit viele Kinder- und Jugendprojekte in Kindergärten und Schulen, die von Kulturstiftungen unterstützt werden. Die Vernetzung der verschiedenen Ebenen wie Kindergärten und Schulen, die Kulturverwaltung der Stadt, die Kulturstiftungen der Länder und private Kulturstiftungen sind eine der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kulturpolitik auch bei Kindern und Jugendlichen. Das erfolgreiche Programm "Kinder zum Olymp!" hat den eindrucksvollen Beweis dafür erbracht. Dafür werden wir uns einsetzen.
  • Das Programm "PLATZDA!" hat Kultur im weitesten Sinn den Menschen direkt nahe gebracht. Das Glashaus am Worringer Platz und die Aktionen der engagierten Künstlerinnen und Künstler haben ein begeistertes Echo gehabt. Dieses Programm werden wir weiter begleiten.
  • Film- und Medienkunst sind wichtiger Bestandteil der Kultur und finden ein großes Publikum. Die Düsseldorfer Filmszene, die sehr lebendig ist, braucht ein Filmtheater, in dem auch der Bundesstart eines wichtigen Films erfolgen kann. Wir werden dafür eintreten, dass die Stadt sich finanziell engagiert, wenn es darum geht, ein Filmtheater für Premieren zu installieren. Die Filmstiftung NRW wird ein solches Projekt finanziell nur unterstützen, wenn die Stadt dies ebenfalls tut. Um den Bereich von Film- und Videokunst stärker zu etablieren, werden wir einen Medien- und Filmkunstbeirat einrichten. Wir werden stärker als bisher die Arbeit der Filmwerkstatt und der Programmkinos unterstützen, ebenso wie die Medienarbeit der verschiedenen städtischen Institutionen.
  • Wir wollen einen "Feuerwehrtopf " für Kultur in den kommenden Haushalt einstellen. Er ist notwendig, damit Kreativität nicht in das Korsett der Terminierung des städtischen Haushaltes gezwängt wird. Im Herbst eines Jahres können viele Künstlerinnen und Künstler schlichtweg nicht voraussehen, welche Projekte sie eventuell im kommenden Jahr durchführen wollen. Kreativität ist so nicht planbar. Deshalb muss eine Summe in den Kulturhaushalt eingestellt werden, die bei Bedarf abgerufen werden kann.
  • Das Programm Jugend, Kultur Schule, das so erfolgreich arbeitet, wollen wir ausweiten und Kindertagesstätten einbeziehen, damit Kinder früh erfahren, dass Kultur das Leben auch einfach schöner machen kann. Die Düsseldorfer Künstler und Künstlerinnen haben bewiesen, dass sie mit viel Elan das Programm unterstützen. Sie müssen für ihr Engagement angemessen bezahlt werden. Die pädagogische Arbeit in den Museen wollen wir intensivieren, weil auch hier die Basis für das Interesse an Kunst und Kultur bei den Kindern und Jugendlichen geschaffen werden kann.
  • Nieder schwellige Angebote im Kulturbereich sollen stärker ins Bewusstsein der Düsseldorferinnen und Düsseldorfer gerückt werden. Die Möglichkeit, eine Stunde vor Schließung kostenlos die Düsseldorfer Museen besuchen zu können, ist immer noch nicht genügend bekannt. Und auch die art card für Jugendliche soll bekannter gemacht werden.
  • Auch die stadtteilbezogene Kultur - und hier meinen wir nicht das gut etablierte sogenannte Brauchtum - werden wir intensiver fördern. Die Stadtteilbüchereien, die hier eine wichtige Rolle spielen, müssen personell besser ausgestattet werden, damit sie ihrer Aufgabe nachkommen und stadtteilbezogene Kulturangebote machen können.
  • Wir wollen die Idee eines "Künstlerdorfes" in Düsseldorf mit Leben füllen, damit Künstler/innen preiswerte Ateliers und Proberäume anmieten können. Dort könnte auch die dringend notwendige Spielstätte für freie Theatergruppen ihren Platz haben.

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