BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Düsseldorf
Wahlprogramm 2004 - 2009

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Demokratische Stadt

Schule braucht mehr Selbstständigkeit

Schulbildung wird nicht mehr gleichgesetzt mit "Wissensanhäufung in der Schule", sondern umfasst Qualifikationen wie Kreativität, Lesefähigkeit, selbstständiges Denken und Lernvermögen. Bildung ist - so verstanden - ein lebenslanger Prozess. Der Grundstein dazu wird im Kindergarten und in der Schule gelegt. Mündige und verantwortungsvolle Teilnahme am Leben der Gesellschaft sind ohne Bildung unmöglich. Die internationale Schulleistungs-Vergleichsstudie (PISA) hat bei unseren Jugendlichen Bildungsdefizite aufgezeigt, die auch dazu führen, dass ihre Fähigkeiten nicht mehr den Anforderungen der Wirtschaft genügen. Schülerinnen und Schüler haben zwar das Recht, auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereitet zu werden, dies darf aber nicht einziges Ziel und Maßstab für den Schulerfolg sein.

Für uns ist wichtig, dass die Schule nicht nur ausbilden, sondern auch bilden muss. Im Mittelpunkt unseres Interesses steht deshalb die Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen und Schüler. Nur kreative, selbstständige, neugierige und leistungsbereite junge Erwachsene sind in der Lage, aus eigenem Antrieb nötiges Wissen zu erwerben, lebenslang zu lernen und gegebenenfalls auch Verzicht zu üben, um Ziele zu erreichen.

Das zukünftige kulturelle, soziale und wirtschaftliche Gesicht unserer Gesellschaft wird auch davon abhängen, wie es unseren Kindern in der Schule geht. Unser Augenmerk richtet sich also zunächst einmal darauf, inwieweit die Kindergärten und Schulen auf diese Anforderungen vorbereitet sind.

Grüne haben das Ziel, dass Schulen in die Lage versetzt werden müssen, ihrem gesellschaftlichen Auftrag auch gerecht zu werden. Deshalb muss unter anderem durch die Möglichkeit eines pädagogischen "Wettbewerbs" zwischen den einzelnen Schulen die Qualität der Schulen und des Unterrichts verbessert werden. Schulverwaltung und Schulaufsicht müssen strukturelle Veränderungen der Schulorganisation großzügig begleiten. Best-practice-Modelle und schulische Innovationen gedeihen nicht im Korsett allzu kleinlicher Verwaltungsvorschriften. Evaluation und Qualitätskontrolle sind in diesem Zusammenhang selbstverständlich.

Die Ausstattung der Schulen muss den heutigen Anforderungen entsprechen, die Schülerinnen und Schüler sollen sich in ihrer Schule wohlfühlen können. Dazu gehört auch, dass Kinder und Jugendliche, die in schwierigen und belasteten Familienverhältnissen aufwachsen müssen, in der Schule die notwendige Unterstützung und Förderung finden. Dazu gehört auch die Öffnung zum Wohnumfeld der Schulen. Sie müssen mit geeignetem Fachpersonal ausgestattet werden, denn Fachlehrer sind für diese Aufgabe nicht ausgebildet. Ursachen und Auswirkungen der zunehmenden Gewaltbereitschaft vor allem der männlichen Jugendlichen, Schulverweigerung und Drogenkonsum müssen erkannt und durch Projekte wie zum Beispiel das "buddy project" (SchülerInnen kümmern sich um SchülerInnen) gemildert werden. Besonders für Jungen hat die PISA-Studie ein Gleichberechtigungsdefizit festgestellt. Mädchen sind in den europäischen Schulsystemen nach dem Abbau alter Benachteiligungen signifikant erfolgreicher als Jungen. Länder wie Finnland gehen deshalb schon lange daran, die offenbare Benachteiligung der Jungen abzubauen, bevor daraus in einigen Jahrzehnten ein gesellschaftliches Problem wird.

Zum umfassenden Angebot der Schulen gehören selbstverständlich kulturelle Angebote, die die Kreativität der Kinder und Jugendlichen fördern und entwickeln helfen.

  • Die Schulen sollen mehr Selbstständigkeit erhalten. Ein wichtiger Baustein hierfür ist die Budgetierung ihres Etats. Sie können dann selbstständig entscheiden, wofür sie die zur Verfügung stehenden Mittel ausgeben. Schulverwaltung und Schulaufsicht müssen sich darauf beschränken, die Personal- und Sachmittel für gesetzte Standards bereit zu stellen und deren Einhaltung überwachen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass Düsseldorfer Schulen sich an dem Projekt "Schule 21 - selbstständige Schule" beteiligen können.
  • Die sächliche Grundausstattung der Schulen wird von uns so gefördert, dass sie Schritt halten kann mit den veränderten Anforderungen an die Schulen und dem technologischen Fortschritt.
  • Wir werden das erfolgreiche öko-audit an Schulen fortentwickeln, um den Nachhaltigkeitsgedanken weiter zu fördern. Erfolgreiche Schulbildung braucht eine angenehme Lernumgebung.
  • Wir haben Schule immer auch als Lebensraum verstanden. Die Sanierung der Schulen werden wir deshalb fortsetzen. Hier erwarten wir durch die Selbstständigkeit der Schulen und die Eigenverantwortung über ihre Mittel ein sachgerechte und den Bedürfnissen der jeweiligen Schule angemessene Verwendung. Das städtische Programm Künstler und Schulen hat große Erfolge zu verzeichnen und wir werden seine Ausweitung auf Kindertagesstätten durchsetzen.
  • Wir werden für die Schulsozialarbeit an Düsseldorfer Schulen die Erarbeitung eines offenen Rahmenkonzepts in Auftrag geben. Schulamt, freie Träger, Schulen und SchulsozialarbeiterInnen können auf der Grundlage bisheriger Erfahrungen eine integrierte Schulsozialarbeit aus Prävention und Intervention in Düsseldorf fördern und sicherstellen.
  • Der geforderte Wettbewerb zwischen den Schulen verträgt keine sachfremden Wettbewerbsbeschränkungen. Die Eltern sollen deshalb frei entscheiden können, an welche Grundschule ihr Kind gehen soll, wenigstens innerhalb ihres Stadtbezirks. Klare, sachliche Informationen über das Angebot der jeweiligen Schule und die Bildungsaussichten bis hin zur Spezialisierung in Mittel- und Oberstufe bei weiterführenden Schulen sind hier notwendig.
  • Den Bibliotheken werden wir mehr Mittel für Anschaffung und Erneuerung von Beständen zur Verfügung stellen, damit die Kinder und Jugendlichen auch außerhalb der Schule die Möglichkeit haben, sich mit Lesestoff zu versorgen.
  • Wir unterstützen alle Projekte, die die Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler fördern, ohne übermäßig Konkurrenz zu schüren.
  • Wir werden darauf hinwirken, dass Schulamt und Schulausschuss die SchülerInnen ernst nehmen und vor Entscheidungen auch die Schülervertretungen anhören.
  • Wir werden alle Maßnahmen unterstützen, die die Auseinandersetzung der SchülerInnen mit der Arbeitswelt fördern und ihnen helfen, den für sie richtigen Beruf zu finden.
  • Wir unterstützen eine Jungenförderung, die einen geschlechtsbewussten Zugang zu jungenspezifischen Verhaltensweisen und Einstellungen eröffnet. Wir wollen die Streitschlichterprogramme ausweiten, um den Gewalttätigkeitsproblemen in und an den Schulen zu begegnen.
  • Wir werden die Integration behinderter SchülerInnen in die wohnortnahen Regelschulen unterstützen. Solche schulischen Integrationsbemühungen können langfristig gesellschaftlicher Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung entgegenwirken und das soziale Klima in den Schulen verbessern helfen.
  • Wir werden die frühzeitige Sprachförderung der SchülerInnen mit Migrationshintergrund ausweiten, um ihre durch mangelnde Deutschkenntnisse verursachte Benachteiligung abzubauen und ihren (hohen) Anteil an Haupt- und Sonderschulen verringern.
  • Die "Offene Ganztagsschule" werden wir weiter fortführen und ausbauen. Dabei werden wir in enger Zusammenarbeit mit den Vereinen und freien Trägern darauf achten, dass das Nachmittagsangebot sich durch Qualität auszeichnet und nicht bloßer Aufbewahrung dient.

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